Vergangene Woche startete der digitale Lebensmittel-Service Amazon Fresh seinen Lieferdienst in Deutschland. Welche weitreichenden Folgen eine Expansion des Online-Giganten im deutschen Lebensmittelbereich haben wird, möchten wir in diesem Artikel darstellen.

Noch beschränkt sich der Lebensmittel-Lieferdienst von Amazon Fresh lediglich auf einen begrenzten Postleitzahl-Bereich im Raum Berlin – Brandenburg. Ein Grund, warum sich Amazon so lange Zeit gelassen hat, auf dem Deutschen Markt Fuß zu fassen, sind die Qualitätsherausforderungen in der Lieferkette. Während der Kunde im Supermarkt z.B. Frischeartikel wie Obst selbst auswählt, trifft nun der Lieferservice diese Auswahl und muss dabei den hohen Erwartungen der Kunden gerecht werden. Weiterhin gilt es für Amazon zunächst vorzutesten, wie man im preissensiblen deutschen Markt am besten Fuß fasst, der von Konsumenten dominiert wird, die vergleichsweise wenig Geld für „Plus-Services“ wie Lebensmittel-Lieferungen ausgeben wollen.

Nicht zuletzt deshalb ist davon auszugehen, dass Amazon in Kürze auch in Sachen Preispolitik Druck auf die deutsche Lebensmittelbranche ausüben wird. Denn die Taktik, durch aggressive Preisstrategien – die nicht selten zunächst Verluste für den Konzern bedeuten – Märkte zu erschüttern, ist von Amazon bereits bekannt.

Doch das zögernde und eher langsame Vorgehen, das Amazon Fresh bisher an den Tag legte, darf keinesfalls zu Gedanken führen, dass die Entwicklung des E-Commerce Giganten mit diesem Tempo weiter voranschreitet. Im Zeitalter disruptiver Bewegungen muss gerade bei Digitalgiganten wie Amazon damit gerechnet werden, dass es von heute auf morgen schnell gehen kann und der Weltkonzern in kürzester Zeit in weitere Teile Deutschlands expandiert. Zwar wird sich der Lieferdienst auch weiterhin erst einmal auf die Großstädte ausdehnen doch auch eine Ausbreitung in ländlicheren Regionen ist laut unserer Einschätzung nicht auszuschließen.

Somit ist für die traditionellen Handelsketten höchste Vorsicht geboten. Der zunehmende E-Commerce Anteil im deutschen Lebensmittelmarkt bedroht laut einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman derzeit etwa 40.000 Arbeitsplätze. Darüber hinaus werden laut deren Einschätzung 15 Prozent der deutschen Supermärkte schon in naher Zukunft Verluste einfahren werden.

Das bedeutet, dass innovative Digitalstrategien für den Einzelhandel heute wichtiger sind denn je. Wer mit Marktgiganten wie Amazon mithalten können will, muss dringend in die Zukunft blicken, intensiv an seiner Innovationsentwicklung arbeiten und offen sein für digitale Zukunftskonzepte. An dieser Stelle darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass auch traditionelle Vertreter wie Rewe, Lidl über seine Marke Kaufland und auch Edeka im Rahmen seiner Bio-Marke Alnatura bereits in den Onlinehandel eingestiegen sind. Doch die Innovationsmacht von Amazon darf natürlich nicht unterschätzt werden und kann nur durch kreatives und mutiges Handeln im Digitalmarkt bekämpft werden.

Den großen Vorteil, den die traditionellen Einzelhandelsketten im Gegensatz zu Amazon hierzulande aktuell noch haben, ist das Vertrauen, das ihnen ihre Konsumenten entgegenbringen. Doch mit zunehmend voranschreitender Zeit wird auch der Onlinegigant die Gunst neuer Kunden gewinnen und es wird für REWE, EDEKA, Aldi & Co immer schwerer vor allem die jungen Käufer zu halten.

Ein Beitrag von Niklas Volland.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.