Ein Unternehmen gründen heißt eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die nicht einfach nur die Berufswahl, sondern das ganze Leben betrifft. Denn wer ein Unternehmen aufbaut, der durchlebt Höhen und Tiefen, Momente der Freude, des Glücks und sicher auch der Verzweiflung. Das Warum hinter dieser Entscheidung sollte also so stark sein, dass es einen durch all diese Momente trägt. Grund genug, um mal in einem Interview bei unserem Mitgründer Niklas nachzufragen, was ihn eigentlich dazu bewogen hat, Gründer zu werden, ob er es manchmal bereut und was er an seinem Leben als Gründer am meisten mag und was nicht.

Niklas, wie kam es denn eigentlich initial dazu, dass du überhaupt auf die Idee gekommen bist, ein Unternehmen zu gründen?

Niklas:  „Ich habe damals im Studium mehrere Ferienjobs gemacht. Zum Beispiel einige Fertigungsabteilungen eines großen Automobilzulieferer im Schichtbetrieb unterstützt, für ein Elektrobau-Unternehmen auf Baustellen gearbeitet oder auch Kästen in einem Getränkemarkt gestapelt. Ergänzt habe ich diese Erfahrungen dann noch durch verschiedene Praktika im Marketing sowie PR-Abteilungen von mittleren und Großunternehmen. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen, denn gerade in diesen Zeiten habe ich gelernt, welchen Wert Geld besitzt. Was für mich persönlich aber vielleicht noch wichtiger war, ist der Umstand, dass ich verstanden habe, dass ich mich in solchen Strukturen nicht wohl fühle, weil mir einfach die Freiheit fehlt, meine Entscheidungen vollumfänglich eigenständig zu treffen und meine Kreativität in der Art auszuleben, wie ich es möchte und für richtig halte. Somit kam ich schließlich auf die Idee, mein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen.“

Okay, das klingt interessant, wie kam es dann konkret dazu, dass du gegründet hast?

Niklas: „Also das erste „eigene Ding“, das ich auf die Beine gestellt habe, war etwa nach vier Semestern Studium ein Gewerbe für Grafikdesign. Ich kann mich heute noch gut an die Situation erinnern, als ich damals während meines Jobs im Getränkemarkt bei gefühlten 40 Grad im Sommer diesen einen Moment hatte, wo ich mir dachte „Ich habe größten Respekt vor den lieben Menschen hier, die das ihr ganzes Leben lang machen, aber ich glaube nicht, dass mich das auf Dauer glücklich macht. Ich habe so viele kreative Ideen für eigene Projekte, es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich das in die Realität umsetzen muss.“  Nur ein paar Tage später war der Getränkemarkt-Job dann Geschichte und ich habe mein Gewerbe angemeldet. 

Spannend, wie hat dein Umfeld damals reagiert?

Niklas: „Naja, das wurde schon von einigen Leuten ziemlich belächelt und ich denke auch, dass es so manchen gab, der nicht wirklich an den Erfolg meines Vorhabens geglaubt hat. Glücklicherweise hat mich dafür aber meine Familie – viele Grüße an der Stelle – immer zu 100% unterstützt. Meine Mutter hat mich zwar zum Zeitpunkt, als ich mit dem Studium fertig war, mehrmals darauf hingewiesen, dass die Fixkosten später alleine schon wegen der Krankenversicherung durchaus sehr hoch sein können und die Entscheidung für die Selbstständigkeit mit großen Konsequenzen verbunden ist. 😀 Aber trotzdem gehörten meine Eltern schon immer zu den größten Fans meiner Projekte. Und mit der Aussage hatte meine Mutter damals ja auch keineswegs unrecht. 😉 Und auch mein Vater unterstützt mich heute immer wieder intensiv durch seine fachliche Expertise im Personal, Verhandlungen und allgemeinem Business. Für ihre bedingungslose Unterstützung bin ich ihnen extrem dankbar.“

Nicht jeder war damals begeistert, als Niklas sich dazu entschieden hatte, sein erstes Gewerbe zu gründen.

Interessant, das heißt in deiner ersten „Firma“ hast du also verschiedene grafische Arbeiten umgesetzt?

Niklas: „Richtig, ich habe mein Geld neben dem Studium vor allem durch das Gestalten von Flyern, Logos und später auch Websites verdient. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich mit meinem Bruder zusammen zusätzlich noch eine Gym-Kleidungsmarke („GymXplosion“) inkl. Online-Shop gegründet habe. Hat am Ende nicht funktioniert und war für uns damals sauteuer – aber wir haben sicherlich sehr viel dabei gelernt und trotzdem unseren Spaß gehabt. 😀

Okay. Und wie kam es zur Gründung von bytabo?

Niklas: „Nachdem wir GymXplosion wieder dicht gemacht hatten, habe ich mich voll auf meine Design-Arbeiten konzentriert. Mein Gewerbe hieß damals „Graphic:Concept“. Irgendwann wollte ich neben den Flyern und Logos auch Websites erstellen und mir fehlte aber noch ein Programmierer. So kam es dazu, dass ich über eine Facebook-Gruppe der Uni Bamberg einen Aufruf gestartet und schließlich Christian kennen gelernt habe. Schon verrückt irgendwie, dass das Ganze auf die Art und Weise zustande kam, wenn ich darüber nachdenke. Zusammen mit unserem damaligen dritten Mitgründer Raoul – Viele Grüße an dich an der Stelle 🙂 – haben wir dann schließlich die GraphicConcepts GbR gegründet, die ein paar Jahre später schließlich zur bytabo GmbH wurde.“ 

Das ist wirklich eine interessante Gründungsgeschichte, gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?

Niklas: „Über die Frage habe ich auch schon öfters mal nachgedacht und ich muss sagen – nein, ich würde es genauso wieder machen. Ich bin dankbar für jede einzelne positive wie auch negative Erfahrung im Laufe meiner Zeit als Gründer. Die Summe der Ereignisse macht einen Gründer zu der Person, die er ist und da ist einfach jede Erfahrung unverzichtbar. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diesen Weg so gehen durfte und darf und dass mir die Zeit all das mitgegeben hat, was ich heute brauche, um mich in meiner Position wohl zu fühlen und in der Lage zu sein, die Firma zusammen mit Christian bis dahin erfolgreich zu führen.“

Das heißt, du hast die Entscheidung zu gründen auch noch nie bereut?

Niklas: „Nein, definitiv nicht. Gründer sein ist einfach zu 100% das was ich will und in der Zeit auch immer wollte. Deswegen habe ich es in keiner einzigen Sekunde bereut. Ich meine, natürlich gibt es die dunklen Momente, in denen man sich schon mal fragt, warum das gerade eigentlich alles so passieren muss wie es passiert oder die Momente der Verzweiflung, in denen man kurz mal einfach nicht mehr weiter weiß. Wer als Gründer etwas anderes behauptet, der spricht einfach nicht die Wahrheit. Aber genau diese Situationen führen ja dazu, dass man immer besser darin wird, mit so etwas umzugehen. Und ich bin sicher, dass man die in einer Festanstellung auch manchmal hat.“

Niklas und Christian haben sich 2014 über eine Facebook-Gruppe der Uni Bamberg kennengelernt

Hast du ein „Warum fürs Gründen“, das dich durch solche schweren Momente trägt?

Niklas: „Mein Warum fürs Gründen, aber auch generell für mein ganzes Leben, ist das Gleiche: Ich möchte anderen dabei helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Wenn ich merke, dass ich jemandem etwas mitgeben kann, das ihm weiterhilft, dann macht mich das glücklich. Das trifft natürlich auf unsere Kunden zu, denen wir dabei helfen ihr Unternehmen zu digitalisieren, aber auch auf unsere Mitarbeiter, denen ich so gut ich kann versuche dabei zu helfen, persönlich und fachlich zu wachsen.“

Spannend! Aber Hand aufs Herz – gibt es nicht auch Dinge am Gründerleben, die du nicht so magst?

Niklas: „Naja, die gibt es sicherlich. Dass man eigentlich immer 24/7 im Kopf bei der Firma ist, durch die Verantwortung quasi kontinuierlich unter Druck steht und auch mal die eine oder andere schlaflose Nacht durchlebt, ist natürlich nicht immer schön. Aber das gehört einfach dazu. Das ist für mich das nötige Investment, das mit der Freiheit und Flexibilität belohnt wird, die man als Gründer hat. Somit ist das für mich kein Problem und ich sehe diese Faktoren zusätzlich als wichtigen Bestandteil meines persönlichen Wachstums an.“

Danke für deine Offenheit, Niklas. Abschließend noch eine Frage: Was würdest du anderen Gründern mitgeben?

Niklas: „Okay, ich referenziere jetzt einfach mal auf das, was mir bisher geholfen hat: Erstmal möchte ich jeden ermutigen, der gerade in der Anfangsphase einfach nicht weiß, wie sein Unternehmen jemals erfolgreich werden soll. Ich denke, das ist am Anfang normal und der Weg ergibt sich mit der Zeit meist von selbst. Dafür muss man aber natürlich etwas tun. Da kann ich nur den Ratschlag mitgeben, sich mit so vielen erfolgreichen und gleichgesinnten Leuten zu vernetzen wie möglich. Ich sag immer „Menschen und Menschlichkeit schaffen Möglichkeiten“. Wenn man eine authentische Persönlichkeit besitzt, das Herz am rechten Fleck hat und bereit dazu ist, fleißig zu arbeiten, dann wird man seine Ziele auch erreichen – davon bin ich fest überzeugt. Abschließend ist wohl der wichtigste Tipp, einfach an sich und seine Ziele zu glauben und eine persönliche Vision zu verfolgen. Ich glaube man sollte die Realität, die man leben möchte, immer zweimal erschaffen: Zuerst im Kopf und dann im echten Leben.“

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